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STRONGHOLD Anleitung ist verfügbar

bitte abrufen per Mail an friedrich.kallinowski@med.uni-heidelberg.de
Weiterbildung und Editorial
Die Beiträge über biomechanische Grundlagen der gesunden und der hernierten Bauchwand sind in WebSurge online und können für die Weiterbildung zu dem Europäischen Bauchwand-Chirurgen (FEBS AWR) genutzt werden.

Das Editorial zu der klinischen Anwendung des GRIP-Konzeptes ist online:
Kallinowski F, Fortelny RH, Köckerling F, Mayer F, Morales-Conde S and Sandblom G (2022) Editorial: Mesh Complications in Hernia Surgery.
Front. Surg. 9:841672. doi: 10.3389/fsurg.2022.841672
Netz-Komplikationen sind häufig nur ein biomechanisch instabiler Einbau. Biomechanische stabile Rekonstruktionen vermeiden die Komplikationen.
Erster GRIP-Kurs in Berlin ist ausgebucht
Wir haben ein volles Auditorium – alle Plätze sind belegt. Sie möchten auch an einem Kurs teilnehmen? Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf, z.B. durch einen Online Termin unter
For the child in us:
The story of Hernie, the frequently recurring creature, and the magic mender
Once upon a time, there was a small, cheerful creature named Hernie. Hernie was a small, soft “lump” who lived in Bellyland. Hernie was actually very sweet, but he had a problem: he was terribly curious! One day, he discovered a tiny gap in the “belly wall”—which is like a soft protective fence that keeps everything in the belly in place. Hernie couldn’t resist and stuck his nose through the gap. “Yikes!” said Hernie when he suddenly tumbled out a little bit. Now he was a small bump on the belly that sometimes twinged when he jumped too wildly.
This is HERNIE … doesn’t the little creature look cute?

Narbenhernie und SPORT unter biomechanischen Aspekten
Generell gilt, dass bei einer Narbenhernie (oder nach deren Operation) Sportarten vermieden werden sollen, die den intraabdominalen Druck stark erhöhen und hohe Zug- und Scherkräfte auf die Bauchwand ausüben. Biomechanisch gesehen ist das Ziel, die geschwächte Bauchregion zu schonen und das Risiko eines Bruchsackvorfalls, ggf. mit Einklemmung oder eines Rezidivs (erneute Hernien-Bildung) zu minimieren.
Biomechanische Aspekte der Belastung
Der Hauptrisikofaktor bei sportlicher Betätigung ist der Anstieg des Drucks im Bauchraum (intraabdominaler Druck, IAP). Dieser Druck wirkt direkt auf die Bruchpforte oder die frisch vernähte/mit einem Netz verstärkte Bauchwand.
- Druckerhöhung: Jede Form von Bauchpresse, schwerem Heben oder abrupten Bewegungen führt zu einem deutlichen Anstieg des IAP. Daher auch Vorsicht bei Verstopfung!
- Zugkräfte: Übungen, die die Bauchmuskulatur intensiv kontrahieren lassen (z.B. Sit-ups), erzeugen starke Zugkräfte auf die Narbe.
- Scher- und Stoßkräfte: Kontaktsportarten, Sprünge und schnelle Richtungswechsel belasten die Rumpfmuskulatur unkontrolliert und dynamisch.
Empfohlene Sportarten
Die Wahl der Sportart hängt von gemessenen Veränderungen des intraabdominellen Druckes (IAP) und der Scher-, Stoß- und Zugkräfte in der Bauchwand ab:
| Biomechanischer Ansatz | Empfohlene Sportarten (geringe IAP-Veränderungen erwartet) |
| Geringe, gleichmäßige Belastung | Gehen, Wandern, Nordic Walking (ohne Tragelast, ohne Berge) |
| Kontrollierte Bewegungen | Stand-Radfahren im Liegen, Aquajogging (nach Wundheilung) |
| Stabile Rumpfmuskulatur | Aqua-Joggen (nach ärztl. Freigabe) |
| Vermeidung von Pressen | Durch Anpassen der Atemtechnik, Körperhaltung und Lebensstil |
Zu vermeidende Sportarten mit hohen IAP-Werten sind Kraft-Training mit dem Heben von Gewichten, Bauchmuskel-Training mit Sit-ups und Crunches, Kontakt-Sportarten z.B. Fußball oder Ringen, alle Sportarten mit Sprüngen und Sprints.
Künstliche Intelligenz erleichtert die biomechanische Analyse der Bauchwand
Heute wurde unser HEDI-Manuskript von Nature Communications Medicine zur Publikation angenommen. Das ist bislang unser größter Erfolg. Nature Communications Medicine liegt nämlich auf Platz 5 aller guten Medizin-Fachjournalen (Ranking von Nature Communications Medicine).
HEDI ist eine künstliche Intelligenz, die die Biomechanik der Bauchwand analysiert. Drei Jahre hat die wissenschaftliche Diskussion mit insgesamt sechs verschiedenen Reviewern gedauert – jetzt ist es geschafft. Nachfolgend findet sich ein Beispiel für eine Anwendung:

In einem 3D-Modell eines menschlichen Abdomens ist links in Ruhe, rechts während einer körpereigenen Belastung (Valsalva-Manöver) die Größe und die Verschiebung der Bruchpforte (dunkelrot) und der instabilen Bauchwand (hellrot) dargestellt. Die gerade Bauchwand-Muskulatur ist in dunklem Blau gezeichnet, die schräge Muskulatur seitlich davon in helleren Schattierungen. Die instabile Bauchwandzone ragt beidseits über den seitlichen Rand der geraden Muskulatur und erfordert daher eine biomechanisch-kalkulierte Rekonstruktion. Das zur Verfügung stehende Netzlager ist cremefarben hinterlegt.
Die Arbeit findet sich bereits im Internet unter doi: 10.48550/arXiv:2307.01502 .
Mit diesem Ansatz hilft die künstliche Intelligenz relativ schnell bei der Beurteilung auch komplexer Bauchwand-Situationen – üblicherweise rechnet eine 1.500 €-Maschine weniger als 20 min. Menschliche Untersucher würden hierfür ca. drei Stunden und mehr benötigen.
Falls Sie mehr wissen wollen, schauen Sie doch einmal hier nach: Schwungmasse ist wichtig für die dauerhaft haltbare Bauchwand-Rekonstruktion – Hernie heute
Ein PatientInnen-Bericht
Die neue Telefon-Kontakt-Möglichkeit hat bereits interessante Ergebnisse geliefert – z.B. einen Bericht einer Patientin von 2019 – hier anonymisiert mit Erlaubnis zur Veröffentlichung für alle Interessierten:
Liebe/r Interessierte
Vorab: Dies ist ein persönlicher Bericht über meine Genesungsgeschichte, ohne Anspruch
auf Vollständigkeit oder medizinisch korrekte Termini.
Ich bin 51 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder und kam mit einem Nabelbruch auf die
Welt. Er machte sich dadurch bemerkbar, dass sich der Nabel in meiner Kindheit nach
außen stülpte, was mich nicht störte. Mit ungefähr 30 Jahren bereitete mir diese Hernie
Beschwerden an der Bauchwand. Sie wurde in einer zehnminütigen Operation in Heidelberg
ohne Komplikationen mittels Netz geschlossen.
Des Weiteren wurde ich mit einer Hüftdysplasie geboren, sie blieb unbehandelt und führte zu
einer Coxarthrose, so dass ich wegen der beginnenden Einschränkungen kurze Zeit später
eine Operation meiner rechten Hüfte in Erwägung zog.
Da man mir in Heidelberg jedoch dazu riet, zunächst meinen Kinderwunsch zu erfüllen und
erst danach eine Operation evt noch ohne Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks
durchzuführen, wartete ich einige Jahre ab. In der Zwischenzeit schwankten die
Beschwerden rund um die Hüftgegend, ich hinkte mal mehr mal weniger, mal mit mal ohne
Schmerz, abhängig vom Körpergewicht und sonstiger Alltagsbelastung.
Während dieser Jahre hatten sich Leistenhernien gebildet. Ich hatte sie beidseitig. Die
Beulen in meiner Leistengegend blieben schmerzfrei und ließen sich problemlos wieder ins
Innere hineindrücken und waren somit aus meinem Blickfeld. Es gruselte mich einerseits,
und andererseits hatte ich genügend anderes um die Ohren, Studienabschluss,
Referendariat, später meine beiden Kinder, kurz: Ich verdrängte und vernachlässigte das
Problem, solange es sich nicht für einen kurzen Moment offenbarte. Ich fand den
medizinischen Begriff „Watchful Waiting“ recht treffend.
Um meine Hüftproblematik mit nunmehr 43 Jahren ohne spätere Komplikationen anzugehen,
ließ ich vorher „noch schnell“ die beiden Leisten laparoskopisch in einem Zug operieren. Ich
lebte inzwischen mit meiner Familie in Frankfurt und ließ die Operation dort vornehmen.
Ich hatte Pech, es kam zu Komplikationen. Nach einer Bauchfellvereiterung mit Fistelbildung
und anstrengendem Genesungsprozess 2017 entwickelte sich im Folgejahr eine
Bauchdeckenhernie. Diese wuchs an und war als faustgroße Vorwölbung im Nabelbereich
zu sehen, obgleich ich mich an alle Vorgaben bezüglich der Schonung meiner Bauchdecke
gehalten hatte.
Es war irritierend, fast so, als wäre ich im mittleren Stadium einer unförmigen
Schwangerschaft.
Rückfragen bei meinem Hausarzt dazu ergaben – Zitat – „Das ist so hässlich, so wollen Sie
doch nicht ernsthaft herumlaufen.“ Er wollte den Bauch noch nicht einmal abtasten.
Auf die Frage, ob eine Behandlung medizinisch indiziert sei, wurde dies jedoch klar verneint.
Mit seiner Ansicht war er nicht allein und die Idee einer erneuten Bauch-OP gefiel mir nicht.
So endete ich erst bei einem Schönheitschirurgen, als eine gute Freundin,
Intensivschwester, nicht locker ließ und mich darum bat, eine Behandlung anzugehen trotz
meines großen mentalen Widerstands, zumal mir kein Arzt eine Notwendigkeit bescheinigte
und die OP in den Augen anderer scheinbar nur optischen Zwecken dienen sollte.
Ihr geschulter Blick jedoch erkannte stetiges Wachstum dieser Lücke, durch die sich meine
Innereien drängten.
Bei Vorstellung bei besagtem Schönheitschirurgen hieß es jedoch, dass die Krankenkasse
nur eine einstündige OP bezahlen und ich mit zwei Kathetern entlassen würde, die ein
weiteres Infektionsrisiko darstellten.
Danach hätte ich zwar keine Beule mehr und eine glatte Bauchdecke, aber zwei Narben,
ähnlich einem übergroßen Kaiserschnitt und eine Bauchdecke ohne Bauchnabel. Ich hatte
erhebliche Zweifel, was Kosten und Nutzen dieser Angelegenheit anging.
Eine Psychologin, die ich zu Rate zog und meine Freundin rieten mir unabhängig
voneinander, mich zur Einholung einer Zweitmeinung zu den Ursprüngen meiner
erfolgreichen Bauchnabel-Hernien-OP zurück nach Heidelberg zu begeben.
Ich hatte das große Glück, dass zu diesem Zeitpunkt in Heidelberg das GRIP-Konzept
entwickelt wurde und just im Jahr 2019 eine Studie begann und ich als Probandin infrage
kam.
Äußerlich erschien meine Bauchdeckenhernie gemessen etwa 5-7 × 7-9 cm groß.
Aufgrund der ausführlichen Erklärungen fasste ich Vertrauen und wurde im April 2019 in der
Lehrklinik Eberbach, Außenstelle der Uniklinik Heidelberg, operiert.
Es wurde ein Netz im Format 17 × 30 cm eingebracht, getackert und genäht. Bei meiner
Größe von 162 cm bedeutete das ein Ausmaß vom Brustbein bis zum Schambein und bis zu
beiden Rippenbögen. Statt jedoch einen gleichermaßen großen Schnitt durchzuführen,
bewerkstelligte das Team diese Prozedur durch einen viereinhalb Zentimeter großen Schnitt
über meinem Bauchnabel, der mitsamt meiner Bauchdecke rekonstruiert wurde.
Der Chirurg hatte mich abends zuvor gefragt, wie alt meine Kinder seien und beschlossen,
den großen Aufwand eines kleinen Schnitts in Kauf zu nehmen: Sie sollten sich nicht vor
ihrer Mutter gruseln.
Ich bin nicht immer sehr eitel, aber es hat mir mental ein besonderes Stück Lebensqualität
erhalten.
In den ersten zehn Wochen trug ich regelmäßig, anfangs tags und nachts ununterbrochen,
ein Klettkorsett, doch schon in Woche elf konnte ich wieder Fahrrad fahren und wurde
langsam „flügge“. Schmerzmittel benötigte ich nur die allerersten Tage.
Bauchmuskeltraining ist mir nach wie vor untersagt, Aquajogging wird mir bis heute
empfohlen. Ich meldete mich im Frühjahr 2020 während der Coronazeiten im leeren
Fitnessstudio an, wo ich ein kleines Schwimmbecken zur Verfügung hatte. Im Studio selbst
ging ich mit Maximalsteigung einige Minuten auf dem Laufband, behutsam aber stetig der
Hüfte wegen um meine Ausdauer zu trainieren, nutzte ein Gerät zur Rumpfstabilisierung, das
mit Slack Lines bestückt war und lernte Kraulschwimmen, denn das Aquajoggen warnichts,
was ich allein und beständig machen wollte. Das Kraulschwimmen wollte ich sowieso immer
mal gelernt haben, es trug zu einer besonderen Ausdauer unter Wasser bei, dazu fühlte ich
eine besondere tiefe Ruhe, wenn ich abtauchte, bis zu 4 x wöchentlich für 1 Stunde.
Anfängliche Panikattacken, die mich nach meiner unglücklichen Leistenerfahrung hin und
wieder überfielen, verschwanden nach und nach ebenso wie kurze Schmerzmomente im
Bauchraum, die mich zunächst sofort beunruhigten. Der Heilungsprozess verlangt Geduld,
das gilt auch für den massiven Stress und die Todesangst begleitet von geradezu
vernichtenden Schmerzen im Nachgang der Leisten-OP, davon muss sich auch die Psyche
erholen. Mit jedem Monat nach der Bauchdecken-OP fühlte ich mich jedoch wieder sicherer.
Seit der OP nach dem GRIP-Konzept sind nun acht Jahre vergangen, ich kann mich
schmerzfrei in alle Richtungen bewegen. Ich mache keine Maximalbewegungen mehr, weil
mich meine Hüfte (noch) daran hindert. Durch die Bauchdecke erfahre ich keine gefühlte
Einschränkungen.
Im Gegenteil, seit fünf Jahren kraule ich mehr oder minder regelmäßig, kann dabei
abschalten, baue Krafttraining ein und bin sogar noch einige Zeit fast täglich eine Runde
joggen gegangen, bis mich wohl hüftbedingt doch ein Bandscheibenvorfall ereilt hat.
Jetzt ist die Hüfte dran und ich bleibe zuversichtlich.
Die Hernienbehandlung an der Bauchdecke hat mir das Leben gerettet, ein Durchbruch wäre
nur eine Frage der Zeit gewesen.
Sie hat mir darüber hinaus meine Mobilität und mentale Stabilität zurück gegeben.
Ich habe ein Vertrauen entwickelt, komplett regenerieren zu können, und den Willen, alles
dafür zu tun, was mir aus eigener Kraft möglich ist.
Neuer Monat – neue Seite
Für alle:
ich bin telefonisch erreichbar nach einer einfachen Terminbuchung –
ich hoffe, viele nutzen ZEEG …
Aktuelle Termine für Südpfalz
Die Termine 2025 für unsere nächsten Treffen der Hernien-Selbsthilfegruppe Südpfalz stehen fest:
Wann: 15.09., 13.10., 10.11., 08.12. jeweils um 18 Uhr
Wo: in den Räumlichkeiten von KISS Pfalz in Edesheim
Adresse: KISS Pfalz / Der Paritätische
Kirchberg 18
67483 Edesheim
Ügel statt Igel – warum BCR eine überlegene Versorgung ist
Die biomechanisch-kalkulierte Bauchwand-Rekonstruktion (BCR) ist der herkömmlichen Vorgehensweise überlegen, aber bislang nur fakultativ anzuwenden (weitere Informationen: https://www.hernie-heute.com/2025/05/ und https://gesundheitsrecht.blog/wp-content/uploads/2025/05/Gesundheitsrecht.blog-Nr.-54-2025.pdf oder https://doi.org/10.13154/294-13073 ). Damit könnte BCR fakultative, aber überlegene Gesundheits-Leistung heißen, also ÜGEL.
Demgegenüber ist die IGEL-Leistung ist eine individuelle Gesundheitsleistung – oft kostenträchtig und bei Prüfung manchmal ohne nachweisbaren Nutzen. Aktuell steht das IGEL-Angebot daher in der Kritik.
Fakultative und individuelle Leistungen werden oft verwechselt – entscheidend ist der Nutzen. Daher: ÜGEL statt IGEL.
Noch einmal: Aquajogging, diesmal empfohlen bei Übergewicht
Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert das Körpergewicht, verbessert die kardiopulmonale Fitness und vermindert Entzündungen. Bei übergewichtigen Personen ist das Verletzungsrisiko jedoch deutlich erhöht, insbesondere für Verstauchungen und Zerrungen. Eine Möglichkeit, die körperliche und geistige Gesundheit adipöser Menschen zu verbessern, ohne das Risiko von Verletzungen einzugehen, ist die körperliche Bewegung im Wasser. Aerobe Aktivitäten im Wasser haben sich als wirksam erwiesen, um die aerobe Fitness zu steigern. Die Wirkung auf die Körperzusammensetzung ist nachweislich ähnlich wie bei gewichtsbelastetem aeroben Training an Land – allerdings bei deutlich geringerem Verletzungs-Risiko.
Weitere Hinweise finden sich bei:
Biology 2023, 12(4), 588; https://doi.org/10.3390/biology12040588 und bei
Journal of Obesity Volume 2010, Article ID 231074, doi:10.1155/2010/231074

